10 Jahre (März 1938)

Der Wald steht still und schweigend da,
ohne Regung stehen die Ähren im Feld.
Und eine ruft es der andern zu:
„Abend wird’s in der Welt“.

Abend! Ein Dörflein liegt hinter dem Berg.
Am Tage ist’s ohne Rast und Ruh;
doch am Abend sind Menschen und Tiere müd’,
die Augen fallen ihn’ zu.

Abend! Nach Müh‘ ist’s ein liebliches Wort,
es bedeutet nach Arbeit Rast und Ruh,
alles liegt still dann und freundlich da,
Friede geht drüber ab und zu.

11 Jahre (1938)

Erwartungsvolle Stille
liegt über Wald und Feld;
im Osten färbt der Himmel sich,
die Sonn‘ kommt auf die Welt.

Durch purpurroten Vorhang bricht
sie mit der Strahlen Macht;
ihr klarer, heller, goldner Schein
vertreibt die schwarze Nacht.

Nun jubelt freudig, Mensch und Tier
und was sich sonstens freut.
Nicht immer ist ein schöner Tag
so wie der heutige heut‘.

Und geht es einstmals nicht so gut,
denkt dennoch froh zurück.
Und hofft auch: immer bleibt’s nicht so,
es kommt doch noch ein Glück.

Und seid ihr der Gewissheit nah,
fort sind dann Angst und Sorgen,
und fröhlich schaut ihr wieder dann
in den kommenden Morgen.